QUEER.ART.MARBURG. AM 9. JULI 2022

Queer.Art.Marburg.

9. JUL 2022
14:00 – 22:00 Uhr
Rudolphsplatz

O-TON | „Kunstrasen“

Queer.Art.Marburg. zu Gast am Rudolphsplatz

Queer.Art.Marburg. ist ein Projekt zum Stadtjubiläum Marburg800. Das Festival im Kontext von „Kunstrasen“ verbindet am Samstag, den 9. Juli von 14:00 bis 22:00 Uhr, vielfältige lokale Aktionen, Performances und Interventionen, Konzert und Kunst. Rund um den Rudolphsplatz werden Installationen und Aktionen zu sehen sein: Direkt auf dem Platz und am Brunnen genauso wie im Ausstellungsraum DEPOT, unter der Weidenhäuser Brücke. Die Projekte sind in der Gruppe Queer.Art.Marburg., unterstützt von Nils Böttner und Jessica Petraccaro-Goertsches alias JPG, entwickelt worden. Sie thematisieren die Vielfalt von Identitäten und Lebensmodellen und bringen diese Themen in Kunstprojekten zum innerstädtischen Rudolphsplatz. Der Platz wird zur kreativen Experimentierfläche:  „Dabei sollen allen die Möglichkeit gegeben werden, sich auszuprobieren, auch über die queere Szene hinaus. Es soll gemeinsam gefeiert werden“, sagt die Mitorganisatorin JPG.

BUNTES FEST DER VIELFALT UND DES KREATIVEN AUSPROBIERENS

Manche Projekte von Queer.Art.Marburg. feiern die Vielfalt der Soziokultur und der queeren Szene. In Workshops sind alle eingeladen, sich beispielsweise mit professioneller Begleitung kreativ verwandeln zu lassen und mit Drag King oder Drag Queen Make Up zu experimentieren. Vor Ort wird auch gemeinsam gedruckt und nachhaltige Materialien mit neuen Symbolen für Vielfalt und Toleranz gestaltet. Freude und gemeinsames Ausprobieren, stehen im Zentrum vieler Aktionen von Queer.Art.Marburg..

OFT ÜBERSEHENE ODER UNTERDRÜCKTE PERSPEKTIVEN

Die Schnittstelle von farbenfrohem Spiel und ernsteren Themen bildet The_Cave, ein Ausstellungsprojekt im DEPOT, unter der Weidenhäuser Brücke: Zwischen abstrakten Formen und farbigen Textilien mit Assoziationen an Geschlechter, adressiert der Ausstellungsraum das Spannungsfeld von Zuschreibungen, Mystifizierung sowie Wissenslücken um Geschlechter. Geschichten der Stärkung zu erzählen ist Zuzu Creatrix in ihrem Projekt The_Cave wichtig. Sie sagt, dass sie es Menschen mit der atmosphärischen Rauminstallation aus Licht- und Klang ermöglichen möchte, über bisher tabuisierte Themen ins Gespräch oder ins Denken kommen.

„Kunst ist für mich absolute Freiheit für jeden Künstler, für jede Künstlerin. Das richtige Leben ist für alle wichtig. Und das ist auch wichtig für die Gesellschaft. Kunst kann der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, ähnliche wie Philosoph_innen oder Soziolog_innen das tun!“, beschreibt JPG ihre Motivation zu Queer.Art.Marburg.. Als Spiegel gesellschaftlicher Prozesse zeigen weitere Projekte auch Probleme auf, die eine lange Geschichte haben und noch immer bestehen. Eine historische Dimension queerer Bewegungen in Marburg adressiert Heiko Haus in einer Arbeit über Proteste und Aktivismus der letzten 30 Jahre. In Kooperation mit lokalen Vereinen, wie dem Tuntonia e.V. werden historische Hintergründe der Schwulenszene eingebracht. Sein Anliegen ist „die spezifische (nicht nur) Marburger Historie queerer Bewegung aufgreifen und den Platz mit einem poetischen Moment ergänzen“, sagt Heiko Haus.

Das ist ein immer noch aktuelles Thema. Noch heute sind viele Menschen queerphobischen Kommentaren in ihrem Alltag ausgesetzt, beschreibt die junge Künstlerin Elisabeth Liliac. Dies nahm sie zum Anlass solche Kommentare aufzugreifen und sie sich in ihrer Kunst wieder anzueignen. Sie dokumentiert und kontextualisiert Prozesse der Abwertung. Über mehrere LGBTIQA+ Facetten erstellt sie Banner und erklärt die Hintergründe. Aufklärung und Information sind ihr wichtig: “Denn je mehr Menschen etwas darüber wissen, desto weniger blöde Fragen kriegen andere dazu gestellt. Auch für mich wäre es einfacher gewesen, früher mehr zu wissen. Unter Heteronormativität leiden nicht nur queere Menschen sondern alle Menschen, daher ist das Wissen für jeden wichtig.“ An den Rudolphsplatz gebracht, können die Kommentare im öffentlichen Raum gelesen werden – es wird sichtbar, mit was sich queere Menschen beschäftigen müssen. Mit Stiften können Passant*innen reagieren, kommentieren, vielleicht widersprechen oder mit anderen in einen direkten Dialog kommen.

Queer.Art.Marburg. ALS EXPERIMENTALRAUM IN MARBURG ERFINDEN

Was jede*r tun kann, um an dem Zukunftsentwurf der Gruppe Queer.Art.Marburg. für die nächsten 800 Jahre mitzuwirken, formuliert das Künstler*innen-Duo Lucie Kluwe und Angela Görich in gezeichneten Statements wie: „CLOTHES HAVE NO GENDER! BREAK GENDER NORMS“ (Kleidung kennt kein Geschlecht, durchbreche Geschlechterstereotype!), oder „DON’T ASSUME PEOPLES GENDER, ASK FOR THEIR PRONOUNS“ (Nimm nicht das Geschlecht von anderen als gegeben an, frage nach Pronomen!). Diese Arbeiten sollen gleichzeitig künstlerisch, “empowernd und gesellschaftskritisch sein”, und so für queer-feministische Themen sensibilisieren, sagt Angela Görich.

Diese und viele weitere Projekte zeigen die Facetten von Identitäten, Experimenten, Aktivismus und Spielfreude im Pride Month 2022 genauso auf, wie den Bedarf daran, queere Themen in einem offenen und respektvollen Umfeld zu besprechen. Zu einem solchen Austausch laden die Initiator*innen um die Gruppe Queer.Art.Marburg. im Kontext von .KUNST.LABOR.STADT.PLATZ am Samstag, den 9. Juli, auf den Rudolphsplatz ein.

KUNST.LABOR.STADT.PLATZ IN MARBURG ERFINDEN

KUNST.LABOR.STADT.PLATZ ist eine Projekt- und Veranstaltungsreihe im Kontext von Marburg Erfinden, die Kunstausstellungen und Aktionen im Rahmen des Stadtjubiläums für den Rudolphsplatz entwickelt. Initiatorin ist die AG KUNST, ein Zusammenschluss von Marburger Kunstprojekten und Institutionen, u.a. der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), die FotoCommunityMarburg, das Institut für Bildende Kunst, das Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart, die KunstWerkStatt, der Marburger Kunstverein und das Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Die künstlerische Leitung von .KUNST.LABOR.STADT.PLATZ liegt bei Bettina Pelz.

STADTJUBILÄUM Marburg800

2022 feiert die Universitätsstadt Marburg 800 Jahre „Cum burgensibus civitatis“ – die erste urkundliche Erwähnung Marburgs. Im Rahmen des Stadtjubiläums Marburg800 ist die Initiative .KUNST.LABOR.STADT.PLATZ – Kunst am Rudolphsplatz Teil der Jubiläumssäule Marburg Erfinden in der Regie des Fachdiensts Kultur (41). Das Jubiläumsjahr wird begleitet von einer Vielzahl von Initiativen, die sich für Zukunftsfähigkeit engagieren.

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